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Peter Kolb

Quereinsteiger über die Brettljause

Am Anfang stand ein böser Husten. Der unterbrach nämlich heimtückisch im Jahr 2012 - und zum Glück nur kurzfristig - die Karriere des darstellerischen Dampfkraftwerks der Seiersberger, Manfred Rucker. Die daraufhin einberufene Klausur des ImTeamTheaters belegt in ihrem Ergebnis eine nachgerade tollkühne Risikobereitschaft der Truppe: Als Ersatz geholt wurde nicht ein darstellerischer Profi, sondern - ein Zuschauer. Wie zur Bestätigung der alten Theaterweisheit, dass die beste Truppe nichts ohne ihr Publikum ist. Der Neue heißt jedenfalls Peter Kolb, musste 46 Jahre auf seinen Einsatz warten und ist im Brotberuf Journalist. Als solcher stellt er kurz und bündig klar: "Der Rucki ist nicht zu ersetzen!"

Peters dennoch rasches Engagement belegt auch eindrucksvoll das Vorurteil, dass Beziehungen nie schaden können, ist er doch jahrzehntelanger Spezl von Wolfi Melcsok. Der ihm übrigens die Rolle des halbseidenen Claude Philby raffiniert auf's Brot schmierte: Erst gab's ein üppiges Brettljauserl, man sprach über Theater und die Qualität von Geselchtem und zwischendrin servierte Wolfi die Frage: "Machst des?" Peter, mampfend, verstand "Magst des?", sagte ja und hatte zum Dessert ein Textbuch am Teller. Das gesprochene Wort ist halt schon etwas anderes als das geschriebene.

Dass man sich bei den Seiersbergern die Sporen erst erlaufen muss, wurde "Pete" gleich nach der ersten Probe beim anschließenden Sponsorenbesuch im Gasthaus Ferdl bewusst: "A Auswärtiger!"

Ein bisschen Erfahrung bringt Peter ja mit: Die ersten Bühnenschritte sind zwar bereits lange vergessen, wurden sie doch schon im vergangenen Jahrtausend getan: irgendwann in den 1980er Jahren in der Pfarre Christkönig. Stück: "Die Physiker". Text: "Paaaaapi!" Ausschlagend war wahrscheinlich die bisherige, naja, Filmkarriere in Peter Guchers "Kernöl-Western" oder auch in einem Streifen der Grazer Independentfilmer-Gruppe Loom: Allerdings: Bei Gucher lag das Textbuch immer griffbereit in der Kulisse. Bei Looms Mysterythriller "Tartarus" beschleicht Peter nach wie vor der Verdacht, dass er die Kleinrolle in erster Linie wegen seiner Requisiten erhielt.
 
"Ich habe jedenfalls das Gefühl, das ImTeamTheater schon lange zu kennen, sie mich aber nur bedingt. Wie man sich halt jemanden merkt, der jahrelang treuer Begleiter im dunklen Zuschauerraum war. Dass heuer ein Ortswechsel ansteht, hätte ich mir niemals gedacht. Vielleicht war meine jährliche eindrucksvolle Performance auf der richtigen Seite des Buffets ausschlaggebend."